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Tunnel

Der Einstieg in den Roman beginnt am Ende der Handlung, wo dem Erzähler nur noch ein Ausweg bleibt. Er befindet sich in einem Eisenbahntunnel, im Begriff sich umzubringen und der Welt seine Aufzeichnungen zu hinterlassen, die Aufklärung verschaffen sollen. Aber Aufklärung worüber?

Wir landen in den Kindheitserinnerungen des Erzählers, die auf eine Erklärung hinauslaufen, warum er zum Misanthropen, zum Mörder, zur Bestie, ja sogar zum Völkermörder wird.

Seine Kindheit ist von totaler Leistungskontrolle und Abschottung zu seiner Umwelt gekennzeichnet. Die Eltern verbieten ihm mit den Kindern der Nachbarschaft zu spielen, um schlechten Einflüsse von Außen direkt vorzubeugen, ein Fernseher wird nicht angeschafft, um dem Kind keine Ablenkung zu verschaffen – es soll seine Hausaufgaben machen, einmal der Beste sein und eine Karriere machen, die über die des Vaters, der Lehrer an der Grundschule ist, hinausgeht. Da der Junge keine Freunde hat, anscheinend keine Freundschaften schließen kann und auch die Eltern keine großartigen sozialen Kontakte pflegen, versenkt er sich in eine Phantasiewelt, die sich ausschließlich um Lokomotiven dreht, die er von dem Fenster seines Zimmers aus beobachten kann.

„Tunnel – Tunnel oder der Tag, als Mutter von mir ging“ ist ein halsbrecherischer Balanceakt zwischen Realität und Phantasie und vermag den Hörer sofort in seinen Bann zu ziehen – ein schlagender Beweis für die Sprengkraft der Literatur!

 

sprecher:
Andreas Fröhlich wurde 1965 geboren und bezeichnet sich selbst gerne als „Hörspieler“. Einem großen Fanpublikum ist er als Bob Andrews in der Kultserie »Die drei ???« bekannt, außerdem leiht er u.a. Ethan Hawke, John Cusack und Edward Norton seine Stimme. Zudem ist er als Dialogbuchautor und Dialogregisseur tätig und etwa für die deutsche Synchronfassung von Per Anhalter durch die Galaxis, King Kong und der Herr der Ringe-Trilogie verantwortlich. Dort übernahm er auch die Rolle des Gollum/Smeagol. Für seine Arbeiten wurde er mit zahlreichen renommierten Preisen ausgezeichnet.

Autor:
Der französische Autor Frédéric Klein (der Name ist ein Pseudonym) wechselt unerkannt die Fronten zwischen düsterer Realität und finsterer Fantasie. In dem kalten präzisen Sprachstil, der bereits sein Debut Maniaque auszeichnete, nähert sich Klein konsequent dem Exodus der Kommunikationsarmut und vernichtet mit parodistischen Reflexionen die Bildungs- und Erziehungsideale des Bürgertums.